Cachaça: Kulturelle Aspekte

Cachaça ist nach Wodka und Soju das drittmeist konsumierte Destillat der Welt: Pro Jahr werden ca. 1,5 Milliarden Liter davon getrunken. Trotzdem kämpft der Cachaça noch immer mit einem großen Imageproblem.

Cachaça: Nicht nur Durstlöscher, sondern auch wichtig für den Handel

Cachaca wurde in Brasilien früher, zu Zeiten der Sklaverei, als „Doping“ benutzt. Man verabreichte ihn den Sklaven aus Afrika, damit sie die lange Reise nach Brasilien überstehen konnten.

Sobald sie in den Engenhos – oder an anderen Arbeitsorten – ankamen, setzte man ihn ein, um sie zu beruhigen. Es war normal, die Sklaven als Ergänzung zur Nahrung mit Cachaça zu „ernähren“.

Da es relativ einfach ist, Cachaça zu brennen und zu lagern, ohne dass er verdirbt, wurde er auch lange als Zahlungsmittel für den Sklavenhandel benutzt. Er diente den Sklaven sogar untereinander als eine Art eigener Währung für den illegalen Tausch verschiedener Güter. Selbst nachdem Portugal die Cachaça-Herstellung in Brasilien verbot, wurde er weitergebrannt – als Ersatz für den „Bagaceira“, eine Art Tresterbrand aus Portugal, der damals in die Kolonie Brasilien verkauft wurde.

Später, nach der Sklavenbefreiung, fanden sich vielen Menschen ohne Lebensunterhalt, Essen oder eine Bleibe wieder. Doch eines hatten sie noch immer: Cachaça – eine Art Ersatz für Medizin, und ein Weg, alles zu vergessen.

Seither wird Cachaça automatisch mit Armut und Alkoholismus assoziiert.

Es tropft!

Es gibt viele Synonyme für Cachaça. Soweit ich weiß, existieren mehr als 400 Bezeichnungen oder Euphemismem, die sich regional unterscheiden. Es ist das Vermächtnis von 500 Jahren Cachaça-Produktion und -kultur.

„Pinga“, oder „etwas, was tropft“, ist einer der berühmtesten Namen für Cachaça. Einer Geschichte zufolge entstand diese Bezeichung, weil die Sklaven den Zuckerrohrschnaps tagsüber in großen Kochtöpfen erhitzten, sodass das Destillat am Abend, nach dem Abfallen der Temperaturen, kondensierte und von der Decke auf die verletzten Rücken der Sklaven tropfte – wobei sie angeblich „pinga“ oder „tropfen“ riefen. Die brennenden Tropfen wurden seither als „aguardente“ ( „brennendes Wasser“) bezeichnet.

Ob das wirklich stimmt, ist sehr fragwürdig. Wahrscheinlich bezieht sich „pinga“ oder „Tropfen“ auf das Brennverfahren in den Kupferalambiques, das sehr langsam verläuft. Aber es ist eine treffende Geschichte, oder?

 

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